Bildungs•arbeit


Hier schreiben wir, wie wir bestimmte Dinge sehen.


Hier findet ihr Infos zu den Themen:


Tag der Menschen mit Behinderung

Der 3. Dezember ist der internationale Tag der Menschen mit Behinderung.
Wow /sarkasmus.
Für uns ist jeden Tag ein Tag der Menschen mit Behinderung. 
Es reicht nicht aus, wenn Unternehmen und Organisationen am 3. Dezember an behinderte Menschen denken. 

Was sollen wir heute schreiben?
Wir schreiben darüber, warum wir traurig, müde und wütend sind.

Wir sind traurig.

Wir möchten an die Menschen erinnern, die nicht mehr hier sind.
An die behinderten Menschen, die dieses Jahr getötet wurden.
An die, die sich das Leben genommen haben.
An die, die an COVID und anderen Krankheiten gestorben sind.
An die, die gestorben sind, weil sie alt waren. 

Auch einige Aktivisti sind dieses Jahr gestorben.
Wir erinnern an Judy Heumann, die am 4. März dieses Jahres gestorben ist. 
Judy Heumann war eine jüdische Aktivistin aus den USA, die sich ihr Leben lang für die Rechte behinderter Menschen eingesetzt hat. 
Sie hatte als kleines Kind Polio.
Sie brauchte danach einen Rollstuhl. 
Sie wurde 75 Jahre alt. 

Sie war bis zu ihrem Tod aktiv. 
Sie sprach in dem Podcast „The Heumann Perspective“ mit behinderten Aktivisti. 
Sie hat 2 Bücher geschrieben:
— In „Being Heumann“ schreibt sie über ihr Leben und die Kämpfe der Krüppel–Bewegung in der USA. 
— „Rolling Warrior“ ist ein Buch, das sich an junge Menschen richtet.
wir empfehlen euch die Doku „Crip Camp — Sommer der Krüppelbewegung“ sehr. Dort geht es um die Krüppel–Bewegung in den USA und Aktiviti wie Judy Heumann.

Wir sind Judy sehr dankbar für alles, was sie für uns gemacht hat. 

Wir sind müde.

Wir haben dieses Jahr „15 Jahre UN–Behinderten–Rechts–Konvention“ gefeiert. 
Deutschland setzt die UN–Behinderten–Rechts–Konvention nicht richtig um.
Vieles ist nicht barrierefrei. 
Wir behinderte Menschen werden nicht als Expert*innen für unsere Leben gesehen. 

Andere Menschen sagen uns oft:
Was wollt Ihr denn noch?
Ihr habt doch schon die gleichen Rechte. 
Deutschland ist doch schon barrierefrei. 
Seid mal dankbar. 

Das stimmt nicht. 

Wir haben nicht die gleichen Rechte. 
Und selbst wenn wir offiziell die gleichen Rechte haben, erleben wir weiter Diskriminierung.

Wir wollen nicht die lieben, dankbaren behinderten Menschen sein. 
Wir sind nicht dafür da, nicht–behinderte Menschen zu inspirieren.
Wir sind wütend. 

Wir wollen, dass sich Dinge ändern.
Wut ist wichtig.
Wenn wir wütend auf das System sind, dann geben wir uns nicht selber die Schuld.
Wut hilft uns, verinnerlichen Ableismus zu überwinden. 

Verinnerlichter Ableismus 

Als Kinder und Jugendliche haben wir ein ableistisches Bild von Behinderung vermittelt bekommen. 
Wir haben gelernt, dass Behinderung etwas Schlimmes ist. 
Wir haben gelernt, dass behinderte Menschen leiden. 
Wir haben auch gelernt, dass es wichtig ist, Leistungs–fähig zu sein und arbeiten zu gehen. 

All das haben wir in unseren Familien, im Kindergarten, in der Schule, im Fernsehen und in Büchern gelernt.
Wir haben also Ableismus verinnerlicht. 
Wir haben gelernt, ableistisch zu denken.
Wir merken nicht immer, wenn wir ableistisch denken oder handeln.
Auch behinderte Menschen haben Ableismus verinnerlicht. 

Wir sind Angry Cripples!
Auf Deutsch heißt das: wütende Krüppel. 
Eigentlich sind „Cripple“ und „Krüppel“ Negative Wörter für behinderte Menschen.
Viele behinderte Menschen sagen aber stolz:
Wir sind Cripples, Crips oder Krüppel. 

Als Angry Cripples finden wir das Buch „Angry Cripples“ super. 
Luisa L‘Audace und Alina Buschmann haben das Buch in diesem Jahr heraus gebracht. 

In dem Buch haben 15 behinderte, chronisch kranke, psychisch kranke, neurodivergente und oder Taube Menschen über ihr Leben und Ableismus geschrieben.

Welt-AIDS-Tag

Am 1. Dezember ist der Welt–AIDS–Tag.
Heute geht es um Menschen, die HIV–positiv und AIDS–krank sind.
Wir schreiben in Einfacher Sprache darüber.
Wir sagen, was HIV und AIDS mit Behinderung zu tun haben.

Menschen, die HIV–positiv sind, leben mit dem HI–Virus.
Ohne Medikamente bekommen sie die Krankheit AIDS.
Inzwischen gibt es gute Medikamente, mit denen HIV–positive Menschen lange leben können. 
Wir sprechen über HIV und AIDS in Deutschland.
In anderen Ländern haben sehr viele Menschen HIV. 
Zum Beispiel in Eswatini, Lesotho, Südafrika und Botswana. 
Das sind Länder im Süden von Afrika.
Es fehlt an Medikamenten.
Viele Menschen sterben an AIDS. 

Das HI–Virus wird vor allem beim Sex übertragen.
Manche Gruppen haben ein größeres Risiko, HIV zu bekommen.
Das sind zum Beispiel Männer, die Sex mit Männern haben.
Und Menschen, die oft mit verschiedenen Menschen Sex haben.
Wenn Ihr denkt, Ihr könntet HIV haben, lasst Euch testen.

Ihr könnt Euch vor HIV schützen.
Nutzt Kondome oder Leck–Tücher beim Sex.
Wenn HIV–positive Menschen eine HIV–Therapie machen, können sie das Virus nicht übertragen.
Auch nicht, wenn sie Sex haben oder ein Kind bekommen. 

HIV-positive Menschen erleben viel Diskriminierung.
Es gibt viele Vor–Urteile.
Menschen denken, sie können sich mit HIV anstecken, wenn sie in der Nähe von HIV–positiven Menschen sind.
Menschen denken, dass nur Schwule Menschen HIV haben können.
Menschen denken, dass alle Menschen, die HIV haben, bald daran sterben.

All das stimmt nicht. 

Viele Menschen nennen HIV und AIDS auch „Schwulen–Seuche“. Viele denken bei HIV und AIDS vor allem an queere Menschen.
HIV und AIDS verbreiten sich in den 1980er Jahren sehr stark. Männer, die Sex mit Männern haben, hatten gerade am Anfang oft HIV und AIDS. Viele sind daran gestorben. 

Menschen, die nicht Queer sind, haben gesagt: Männer, die Sex mit Männern haben, und andere queere Menschen haben sicher AIDS.
Wir dürfen sie ausschließen und diskriminieren.
HIV und AIDS wurden also als Vorwand genommen, um Queer–Feindlichkeit zu rechtfertigen.

Bis heute erleben queere Menschen viel Diskriminierung, weil sie mit HIV / AIDS in Verbindung gebracht werden.
Bis 2023 durften Männer, die Sex mit Männern haben, und trans* Menschen kein Blut spenden. Wir brauchen dringend mehr Blut–Spenden.

Trotzdem haben wir bei ganzen Gruppen gesagt:
Euer Blut wollen wir nicht. 
Ihr habt sicher HIV.

HIV–positive und AIDS–kranke Menschen erleben auch Ableismus. 
Sie erleben viel Diskriminierung im Gesundheits–System. 

Das Bundes–Arbeits–Gericht hat 2013 gesagt:
Jeder HIV–positive Mensch ist nach dem Gesetz behindert.
Jeder HIV–positive Mensch soll Nachteils–Ausgleiche bekommen können. 
Im Allgemeinen Gleich–Behandlungs–Gesetz (AGG) steht, dass behinderte Menschen Nachteils–Ausgleiche bekommen können. 

Wir müssen queere und behinderte Kämpfe zusammen denken.
Viele HIV-positive und AIDS-kranke Menschen sehen sich nicht unbedingt als behindert.
Das ist natürlich okay. 

Was wichtig ist.
Es gibt Gruppen, die Ableismus erleben und sehr viel Stigmatisierung erleben. Dazu gehören HIV–positive Menschen und Menschen, die Drogen nehmen. 
Wir sollten diese Gruppen nicht aus unseren Bewegungen ausschließen.

Das heißt: Wir sollten nicht sagen:
Wir wollen Euch nicht in unseren Bewegungen. 

Unsere Räume sollten offen sein für alle Menschen, die Ableismus erleben.

Aktionstag gegen Gewalt gegen FLINTA*

Hier kommt ein Beitrag in Einfacher Sprache.

Am 25. November ist der Aktions-Tag gegen Gewalt gegen FLINTA*. FLINTA* steht für

  • Frauen
  • Lesben
  • inter*
  • nicht-binäre
  • trans*
  • agender Menschen .
    Wir kämpfen also gegen Gewalt, die Menschen erleben, weil sie ein bestimmtes Geschlecht haben.

Es gibt nicht viele Studien.
Wir nennen hier einige Zahlen, die aus einer Studie von Bundes-Ministerium für Familie, Senior*innen, Frauen und Jugend kommen.

1 von 3 FLINTA* Personen mit Behinderung erlebt in ihrer Kindheit und Jugend sexualisierte Gewalt.

Die Formulierung „sexualisierte Gewalt“ macht klar, dass es nicht um Sex geht, sondern um Gewalt.

Behinderte FLINTA* erleben 2-3 Mal häufiger sexualisierte Gewalt als nicht-behinderte FLINTA. Über 90% der FLINTA, die psychisch krank sind, erleben irgendwann sexualisierte Gewalt.

Die Zahlen kommen hierher:
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/frauen-mit-behinderungen-schuetzen/gewalt-gegen-frauen-mit-behinderungen-80650

Es denkt kaum wer an behinderte FLINTA*, wenn es darum geht, Gewalt zu verhindern.

Warum erleben behinderte FLINTA* so viel Gewalt?

Behinderte Menschen sind öfter in Totalen Institutionen wie Gefängnissen, Psychiatrien und Wohnheim-Werkstätten.
Dort haben sie wenig Kontrolle über ihr Leben.
Diese Einrichtungen sind oft abgeschottet.
Gewalt, die dort passiert, wird selten aufgearbeitet. Und so passiert oft mehr Gewalt, weil Menschen keine Angst vor Konsequenzen haben.
Wir kennen Menschen, die uns Gewalt antun, oft gut. Zum Beispiel weil sie aus unserer Familie kommen. Oft sind es auch Mitarbeiter*innen aus Einrichtungen, in denen behinderte Menschen arbeiten und leben.

Behinderte FLINTA* bekommen weniger Hilfe, wenn sie Gewalt erleben.
Nicht alle FLINTA* haben Zugang zu Frauen-Häusern.
Frauen-Häuser sind Orte, an denen FLINTA, die zum Beispiel viel Gewalt durch Partnerinnen erleben, für eine bestimmte Zeit sicher leben können. Sie können dort oft ihre Kinder mitnehmen.
Diese Frauen-Häuser nehmen oft trans* Frauen und nicht-binäre Menschen nicht auf.
Sie sind oft nicht barriere-frei für Menschen mit Geh- und Seh-Behinderungen. Auch für Menschen, die in Gebärden-Sprache oder nicht-verbal sprechen, ist es schwer. Sie bieten oft kaum Rückzugs-Räume, was für neuro-divergente Menschen viel Stress bedeutet.
Informationen über Hilfs-Angebote gibt es oft nicht in Deutscher Gebärden-Sprache und Leichte Sprache.

Behinderten Menschen und ganz besonders behinderten FLINTA* wird oft nicht geglaubt, wenn sie sagen, dass sie Gewalt erleben.
Die Gesellschaft sagt uns:
Behinderte Menschen sind nicht attraktiv.
Kein Mensch möchte mit behinderten Menschen Sex haben.
Die Gesellschaft sagt uns auch:

  • Behinderte Menschen erleben keine sexualisierte Gewalt.
  • Assistenz bei der Körper-Pflege ist so ähnlich wie Gewalt. Assistenz bei der Körper-Pflege ist zum Beispiel, wenn uns ein Mensch hilft, zu duschen oder auf die Toilette zu gehen.
    Das stimmt aber nicht. Assistenz bei der Körper-Pflege ist was ganz anderes, als wenn uns ein Mensch anfasst, obwohl wir das nicht wollen.


Sexual-Bildung

Behinderte FLINTA* müssen Räume und Angebote haben, in denen sie über Selbst-Bestimmung und ihre eigenen Grenzen lernen.

  • Möchte ich Sex, und wenn ja, mit wem?
  • Was ist Konsent?
  • Was ist sexualisierte Gewalt?
  • Möchte ich romantische Beziehungen, und wenn ja, mit wem?
  • Was ist Geschlecht? Was ist mein Geschlecht?
    Es ist wichtig, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen.
    Alle Menschen sollen das machen.
    Behinderte FLINTA* haben heute kaum Zugang zu Sexual-Bildung.

Familien-Planung

Die Gesellschaft sagt uns:
Behinderte Menschen dürfen keine Kinder bekommen.
Behinderte Menschen können keine guten Eltern sein.
Behinderte Menschen sollen Zugang zu Verhütungs-Mitteln wie Kondomen und der Pille haben.
Einrichtungen oder andere Menschen dürfen sie nicht zwingen, Verhütungs-mittel zu nutzen.
Wohn-Heime sollen auch nicht sagen:
Hier dürft ihr keinen Sex haben.
Behinderte Menschen, die schwanger sind, sollen gut versorgt werden. Das passiert heute oft nicht.
Praxen sind oft nicht barriere-frei.
Bei manchen Menschen mit Körper-Behinderung und anderen Behinderungen ist eine Schwanger-schaft gefährlicher. Gerade sie brauchen eine gute Versorgung.
Behinderte Menschen, die schwanger sind, sollen sich gegen ein Kind entscheiden können.
Einrichtungen und andere Menschen dürfen sie aber nicht zwingen, ein Kind abzutreiben

Selbst-Bestimmung

Behinderte FLINTA* sollen entscheiden können, wo und wie sie leben und arbeiten wollen.
Behinderte FLINTA* sollen entscheiden können, was sie möchten und was nicht, wenn es um Sex und Beziehungen geht.
Andere müssen auf die Grenzen von behinderten FLINTA* achten.
Wenn behinderte Menschen Gewalt erleben, dann sollen andere Menschen ihnen glauben.
Alle sollen heute am 25. November sagen:
Behinderte FLINTA* erleben sehr oft Gewalt.
Das wollen wir ändern!

Frauen mit Behinderung sind häufiger von sexualisierter Gewalt betroffen – das können wir dagegen tun

Wohl•fahrt

Die Wohl•fahrt ist ein System, das sich seit langer Zeit Geld mit Behinderung verdient.

Sie betreiben zum Beispiel Wohn•heime, Förder•schulen oder Werkstätten für behinderte Menschen. Heute unterstützen sie auch behinderte Menschen, Zuhause mit Hilfe wohnen zu bleiben. 

Unsere Kritik:
– Sie übernimmt Aufgaben, die eigentlich der Staat übernehmen müsste.
– Die Wohl•fahrt möchte nicht, dass wir gleich•berechtigt zur Gesellschaft dazu gehören. Sie verhindert wirkliche Inklusion, auch wenn sie seit einiger Zeit so tut, als wäre sie voll dafür.
– Sie schützt uns nicht gut vor Gewalt. Im Gegenteil: in Wohn•heimen kommt es zu sehr sehr viel Gewalt. 

So wie zum Beispiel im Oberlin•haus in Potsdam. Hier hat eine Pflegerin 4 Bewohner*innen brutal ermordet.

Was heißt das für unsere Demonstration?

Wir laden nicht-behinderte Vertreter*innen der Wohlfahrts•Verbände nicht ein. Sie können natürlich kommen. Aber wir sehen sie nicht als Expert*innen für uns an. 

Luisa L’Audace: Wir brauchen Rechte, keine Wohl•fahrt. 

Bild•beschreibung: Ein Instagram Post von Luisa L´Audace (sie | ihr), heute (sie | they). Dort steht: „Ich mach´s kurz: Die Wohlfahrt muss weg. Nicht von einem Tag auf den anderen, aber nach und nach. Denn solange sie dem Staat die Zuständigkeit abnimmt, wird er nie Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig müssen Rechte her, die die tatsächliche Umsetzung der UNBRK gewährleisten.“

In Einfacher Sprache: Ich mache es kurz: Die Wohl•fahrt muss weg. Nicht von einem Tag auf den anderen, aber nach und nach. Heute übernimmt die Wohlfahrt Aufgaben, die eigentlich der Staat übernehmen muss. Und so macht der Staat es einfach nicht. Wir brauchen Rechte, die die Behinderten•Rechts•Konvention der Vereinten Nationen umsetzen. Eine Konvention ist ein Abkommen oder ein Vertrag zwischen verschiedenen Ländern. Die Behinderten•Rechts•Konvention sagt: Inklusion ist ein Menschen•recht. Behinderte Menschen müssen in allen Bereichen vom Leben gleich•berechtigt teil•haben können. Es sind 193 Länder in den Vereinten Nationen. Dort sprechen sie über Krieg und Konflikte.

Raúl Krauthausen: Raus aus der Schon•raum•falle.

Wir müssen behinderten Menschen auch Dinge zutrauen. Wir dürfen sie nicht nur schonen. Heute ist es so, dass behinderte Menschen oft keine Anforderungen bekommen. In Förder•schulen müssen Kinder und Jugendliche oft nichts leisten. Es ist das Gegenteil vom starken Leistungs

Wir müssen behinderten Menschen auch Dinge zutrauen. Wir dürfen sie nicht nur schonen. Heute ist es so, dass behinderte Menschen oft keine Anforderungen bekommen. In Förder•schulen müssen Kinder und Jugendliche oft nichts leisten. Es ist das Gegenteil vom starken Leistungs•druck, der oft an den sogenannten Regel•schulen herrscht.