Rede beim Dyke* March Köln 2026

Es sind Personen und ein Schild zu sehen. Die Personen sind alle verschwommen. Auf dem Schild steht: Dyke* joy is powerful! Stabile Dykes* teilen statt zu spalten! #nothing radical or feminist about transphobia. Das ist teils Englisch und heißt etwa: Dyke* Freude ist stark! Stabile Dykes* teilen statt zu spalten! # Nichts ist radikal oder feministisch an Trans*feindlichkeit.

Am 5. Juli 2026 war Dyke* March in Köln.

Der Dyke* March ist eine Demonstration.
March ist Englisch und heißt Marsch.
Marsch heißt: Viele Leute gehen zusammen.
Dyke* ist ein Label.
Ein Label ist ein Wort, mit dem Menschen sich selbst beschreiben.
Hier steht mehr dazu: https://disability-pride-bonn.de/behindert-und-verrueckt-jetzt-reden-wir-online-glossar#label
Dyke* können zum Beispiel diese Personen als Label nehmen:

  • Frauen, die Anziehung zu Frauen fühlen
  • Weibliche Personen, die Anziehung zu Frauen oder weiblichen Personen fühlen
  • Personen, die Anziehung zu mehr als einem Geschlecht fühlen
  • Personen, die keine Anziehung fühlen
  • Personen, die queer/LGBTQIANP+ sind

Hier steht, was queer/LGBTQIANP+ heißt: https://disability-pride-bonn.de/behindert-und-verrueckt-jetzt-reden-wir-online-glossar#queer

Es sind Personen und Schilder zu sehen. Die Personen sind verschwommen zu sehen. Auf einem Schild steht: The history of pride is rooted in resistance against police violence. Das ist Englisch und heißt etwa: Der Ursprung von Pride Veranstaltungen liegt im Widerstand gegen Polizeigewalt. Auf einem anderen Schild steht: You can't pray away the gay. Das ist Englisch und heißt etwa: Ihr könnt Gay-sein, also Queer-sein, nicht wegbeten. Auf einem anderen Schild steht: Girls like Girls like boys do! Das ist Englisch und heißt etwa: Mädchen mögen Mädchen genauso wie Jungs das tun! Auf einem Schild steht: Shade never made anybody less gay. Das ist Englisch und heißt etwa: Beleidigungen oder Angriffe haben noch nie jemensch weniger gay oder queer gemacht.
Die Bildbeschreibung ist weiter unten.

Lee und Koi waren da.
Sie haben auch eine Rede gehalten.
Die Rede ist in Schwerem Deutsch.
Die Leute vom Dyke March haben die Rede auf Englisch übersetzt.
Das findet ihr hier: https://www.dykemarchcologne.de/

Jetzt kommt die Rede:

Hallo!

wir sind CIMND*, also von Ableismus betroffen, und a*spec – unsere Körper, unser Erleben passen selten zu den Erwartungen, die diese Gesellschaft an uns stellt.
Vielleicht kurz die Erklärung, wofür CIMND* steht: Für die Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe für chronisch krank, Krüppel, „psychisch krank“, Verrückt / Mad, neurodivergent, behindert, T*taub und am Ende ein * für von Ableismus betroffen.
Bei A*spec denken viele an Asexualität, vielleicht noch an Aromantik, aber es steht für alle A*-Spektren, für das anattractional spectrum. Also das Spektrum von nicht oder kaum oder nicht immer oder nicht normativ erlebten Anziehungen. Dazu gehören z.B. asensuell, aplatonisch, anästhetisch, aromantisch, asexuell und viele weitere A*-Spektren. Es gibt viele verschiedene Anziehungsarten und entsprechend viele A*-Spektren.

Wir sagen heute hier:
Unsere Körper sind keine Probleme, die gelöst werden müssen.
Unser Empfinden ist nicht falsch und muss nicht geheilt werden.
Die Anziehungen, die wir erleben oder auch nicht, sind nicht weniger oder weniger wert als romantische oder sexuelle Anziehung. Manche von uns lieben, andere nicht. Manche von uns begehren, andere nicht. Manche wollen Beziehungen, andere nicht.
Wir nutzen ähnliche Label, aber was das für jedey von uns heißt, ist so individuell wie es Personen von uns gibt. Und wir und unser Erleben, unsere Erfahrungen gehören beim Dyke* March und bei anderen Veranstaltungen der queeren/LGBTQIANP+ Community dazu.
Wir queeren Normen.
Wir queeren misogyne Normvorstellungen.
Wir gehören dazu.
A*specs können Dykes* sein.
Das sehen viele anders.
Aber wir lassen uns nicht in der Unsichtbarkeit gefangen halten.

A*spec und CIMND* Personen sind oft nicht willkommen an queeren/LGBTQIANP+ Orten. Barrieren sind überall. Exklusionismus und Gatekeeping an der Tagesordnung.

Das Problem ist an der Stelle auch die Annahme, dass alle gleich funktionieren, gleich kommunizieren, gleich feiern, gleich empfinden und gleich leben.

Barrieren sind auch nicht nur Treppen, fehlende Rückzugsräume und laute Musik.
Es geht auch darum:
Wenn wir automatisch davon ausgehen, dass alle Menschen gerne Körperkontakt haben wollen würden.
Dass alle lieben würden.
Dass Liebe uns angeblich menschlich machen würde.
Dass love is love, alle einschließen würde.
Dass alle flirten wollen würden.
Dass alle Anziehung gleich erleben würden oder überhaupt.
Dass alle Beziehungen wollen würden.
Dass alle zwischenmenschliche Beziehungen brauchen würden.
Dass behinderte Menschen asexuell und aromantisch seien.
Dass alle Alkohol trinken könnten oder wollen würden.
Dass alle kommen könnten, ohne große Sorgen.
Dass alle gut oder überhaupt hören könnten.
Dass alle lächeln und höflich sein müssten.
Dass alle in Präsenz kommen könnten, wenn sie wollten.
Dass alle laut und sichtbar feiern könnten.

A*spec zu sein, heißt für alle Menschen etwas anderes. Es gibt z.B. aromantische asexuelle lesbische Personen, aromantische bisexuelle Personen, pansensuelle non-SAM Personen (also pansensuelle Personen, die das Konzept der verschiedenen Anziehungen nicht für sich verwenden), omniplatonische biromantische anästhetische Personen, Personen, die aus welchen Gründen auch immer a*spec Label für sich hilfreich finden. Und alles davon ist valide.

CIMND* zu sein, heißt für alle Menschen etwas anderes.

A*spec und CIMND* zu sein, heißt für alle Menschen etwas anderes.

[L.] Ich weiß nicht, ob ich mich als Dyke* sehe, aber ich bin generell in den letzten Jahren ziemlich lost. Für mich ist es schwierig, Menschen zu vertrauen und Nähe auszuhalten. Ich bin a*spec und traumatisiert. Aber nicht a*spec, weil ich traumatisiert bin. Ach ja, es ist einfach wirklich kompliziert.

[K.] Ich bin unter anderem pan*dox oriented aroace polarsensuellspike agenderfluxprox. Keine Sorge, ich hab noch mehr Label. Oh ne, warte ich glaub ich muss sagen: Keine Sorge, ich zähle nich alle auf.
Für mich heißt das kurz gesagt: Ich erlebe z.B. queerplatonische, alteröse und sensuelle Anziehung unabhängig vom Geschlecht. Ich bin aber meist touch-repulsed, also berührungs-abgestoßen, und erlebe sensuelle Anziehung nur selten. Romantische und sexuelle Anziehung kenne ich nicht. Mein agender-sein, mein Geschlecht, fluktuiert außerhalb der Binarität und lässt sich kaum vollständig fassen.
Ich teile misogyne Erfahrungen in diesem unterdrückenden patriarchalen Machtsystem, weil andere mich in ein binäres Konstrukt einordnen, in das ich nicht eingeordnet werden will und kann, und sie mich danach behandeln.
Aber ich finde mich selbst in vielen Spaces nicht wieder.
Ich bin immer unsicher, ob Leute wie ich willkommen sind oder dazugehören.
Weil wir so oft ausgeschlossen werden.
Ich sehe, dass bi+ Personen hier willkommen sind, dass bi+ Dykes* willkommen sind, aber ich frage mich dann, ob das nur Leute meint, die romantische und oder sexuelle Anziehung erleben.
Aber ich bin heute hier, weil ich glaube, dass sich viel getan hat.
Als ich vor Jahren herkommen wollte, bin ich auf diskriminierende Sprache gestoßen und fern geblieben.
Heute ist das anders, zumindest auf der Website des Dyke* March, aber die Unsicherheit bleibt.
Ich erzähle euch das, weil es schade ist, dass Personen Angst haben, in Spaces zu gehen, in denen sie eigentlich willkommen sein sollten.
Spaces, die nicht gatekeepen sollten, wer dazugehört und wer willkommen ist und wer nicht.

Wir sollten gerne herkommen können.
Besonders als Dyke* oder als Ally, wenn Allies willkommen sind.
Und wenn ich mich hier so umsehe – dann denke ich sind wir auf dem Weg dahin.
Ich bin nicht Dyke*, aber ich sehe eure Kämpfe und ich kämpfe mit euch.

Wir kämpfen gemeinsam mit euch gegen Zuschreibungen und konstruierte Normen.
Gegen das: „Du bist zu viel.“
Gegen das: „Du bist falsch“.
Gegen das: „Du passt nicht hierher“.
Ableismus und A*spec-feindlichkeit sind allgegenwärtig – aber werden oft nicht als solche erkannt und / oder beachtet. Das macht unser aller Kämpfe klein. Und es macht unsere Bewegung klein. Unseren gemeinsamen Kampf gegen Unterdrückung, gegen Machtkonstrukte und Fremdbestimmung.

Deshalb sollten wir uns immer fragen:
Wessen Erfahrungen werden übersehen?
Wer fehlt noch in unseren Vorstellungen von Queerness?
Wen halten wir unsichtbar?
Wen vergessen wir?
Wie schaffen wir Safe(r)spaces für alle von uns?
Wie können wir uns und uns gegenseitig empowern?

Wir wünschen uns eine Dyke*-Bewegung, in der CIMND*ige Dykes* und a*spec Dykes* nicht erst erklären müssen, warum sie dazugehören.

CIMND* Dykes* und A*spec Dykes* sind hier.
Sie waren immer hier.
Und sie gehören dazu.

Bildbeschreibungen

Beitragsbild:
Es sind Personen und ein Schild zu sehen. Die Personen sind alle verschwommen. Auf dem Schild steht: Dyke* joy is powerful! Stabile Dykes* teilen statt zu spalten! #nothing radical or feminist about transphobia. Das ist teils Englisch und heißt etwa: Dyke* Freude ist stark! Stabile Dykes* teilen statt zu spalten! #Nichts ist radikal oder feministisch an Trans*feindlichkeit.

Das zweite Bild:
Es sind Personen und Schilder zu sehen. Die Personen sind verschwommen zu sehen. Auf einem Schild steht: The history of pride is rooted in resistance against police violence. Das ist Englisch und heißt etwa: Der Ursprung von Pride Veranstaltungen liegt im Widerstand gegen Polizeigewalt. Auf einem anderen Schild steht: You can’t pray away the gay. Das ist Englisch und heißt etwa: Ihr könnt Gay-sein, also Queer-sein, nicht wegbeten. Auf einem anderen Schild steht: Girls like Girls like boys do! Das ist Englisch und heißt etwa: Mädchen mögen Mädchen genauso wie Jungs das tun! Auf einem Schild steht: Shade never made anybody less gay. Das ist Englisch und heißt etwa: Beleidigungen oder Angriffe haben noch nie jemensch weniger gay oder queer gemacht.

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